Schönheit und Kunst und Literatur

Das heutige "Wort zum Sonntag" kommt von meiner kürzlich vorgestellten Mitbloggerin Ännchen.

Beauty is in the eye of the beholder.

Ein englisches Sprichwort besagt: „Beauty is in the eye of the beholder.“
Picasso sagts – find ich – gleich krasser: „What is beauty anyway? There is no such thing.“

Ich möchte heute über einige Aspekte bzgl. Schönheit in Kunst und Literatur, die mir im Laufe der Zeit aufgefallen und im Gedächtnis geblieben sind, sprechen. Es sind nur ganz wenige, ich freu mich also immer über Ergänzungen.

Eine Tatsache, die mich selbst sehr erheitert hat: Venus von Willendorf und ihre Maße.
Venus von Willendorf kennt ihr ja wahrscheinlich:

Venus von Willendorf 01
By User:MatthiasKabel (Own work) [via Wikimedia Commons

Misst man die Statue ab, ergeben sich die Maße 96-89-96.

Wie war das bei Peter Paul Rubens?

The Three Graces, by Peter Paul Rubens, from Prado in Google Earth
Peter Paul Rubens [Public domain], via Wikimedia Commons

Rubens. The Three Graces

Die Drei sind unserem heutigen Schönheitsbild ebenfalls nicht sehr nahe.

Um beim Thema „Kurvendiskussionen“ zu bleiben:
Hat dir schon mal jemand gesagt, dass deine Brüste wie zwei junge Rehe sind, wie Zwillinge einer Gazelle, die unter Lilien weiden? Oder dass deine Augen wie Tauben sind? Zweiteres ist noch eher wahrscheinlich, denk ich.
Diese Vergleiche stammen aus dem Hohelied, einem Buch der Bibel. Eine junge Frau und ein junger Mann sprechen von ihrer Liebe, ihrer Sehnsucht und von der Schönheit ihres Partners. Ich find das wirklich lieb, wie Schönheit in diesem Buch dargestellt wird ?
Die Vergleiche sind einfach genial:

Hohelied Kapitel 4, Vers 1-3
(ich verwende die Übersetzung: Neues Leben. Die Bibel.)

„Wie schön du bist, meine Freundin, wie schön! Deine Augen hinter dem Schleier sind wie Tauben. Dein Haar gleicht einer Ziegenherde, die vom Gebirge Gilead talwärts zieht. Deine Zähne sind wie eine Herde frisch geschorener Schafe, die gerade aus der Schwemme kommen. Jeder von ihnen hat seinen Zwilling, keiner von ihnen fehlt. Deine Lippen sind wie ein scharlachrotes Band und dein Mund ist wunderschön. Deine Schläfen hinter deinem Schleier schimmern wie eine Scheibe vom Granatapfel.“

Hohelied 7, 3

„Dein Nabel gleicht einer runden Schale, der es nie an edlem Wein fehlen wird. Dein Bauch ist wie ein Weizenhügel, gesäumt mit Lilien.“

Und wie beschreibt die junge Frau ihren Liebsten?

Hohelied 5, 10-16

„Mein Geliebter ist voller Kraft und strahlend schön, unter Zehntausenden ist ihm keiner gleich. Sein Gesicht ist wie feinstes Gold, sein Haar ist rabenschwarz und seine Locken sind wie wallende Ranken. Seine Augen gleichen Tauben an Wasserbächen, die wie in Milch gebadet am Teichrand sitzen. Seine Wangen sind wie Balsambeete voll duftender Kräuter, seine Lippen wie Lilien, triefend von flüssiger Myrrhe. Seine Arme sind wie Barren aus Gold, mit Edelsteinen geschmückt. Sein Körper ist ein Kunstwerk aus Elfenbein, mit Saphiren besetzt. Seine Beine sind wie Marmorsäulen, die auf Sockeln aus feinstem Gold gründen. Seine Gestalt ist wie der Libanon, ist so herausragend wie die Zedern. Sein Mund ist voll Süße – alles an ihm ist begehrenswert. So ist mein Geliebter, mein Freund, ihr Mädchen von Jerusalem.“

Als ich letzte Woche im Kino war, habe ich die neue Dove-Werbung „Ich sehe was, was du nicht siehst – und das ist schön“ gesehen. (Ich nehm mal Werbung in den Bereich Kunst ;) )
Frauen werden gefragt, was sie an sich selbst schön finden. Die Antworten reichen über „Ähm“ nicht hinaus. Dann sieht man mehrere Freundinnen, die zu zweit unterwegs sind. Sie sollen nun sagen, was sie an der jeweils anderen schön finden. Ohne lange zu Überlegen, wird über die Augen, den Po bis hin zum Bauch und der Ausstrahlung alles genannt!
Zeit für uns, mal umzudenken!

Zum Abschluss noch ein Gedicht von William Shakespeare (Sonnet no. 130), das als Reaktion zum Werk anderer Lyriker zu verstehen ist, mit deren Ansicht von Schönheit er anscheinend nicht ganz einverstanden war:

My mistress’ eyes are nothing like the sun;
Coral is far more red than her lips’ red;
If snow be white, why then her breasts are dun;
If hairs be wires, black wires grow on her head.
I have seen roses damsk’d, red and white,
But no such roses see I in her cheeks;
And in some perfumes is there more delight
Than in the breath that from my mistress reeks:
I love to hear her speak, yet well I know
That music hath a far more pleasing sound;
I grant I never saw a goddess go –
My mistress when she walks treads on the ground.
And yet by heaven I think my love as rare
As any she belied with false compare.

Euer Ännchen

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